thomasevangelium
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| thomasevangelium [2014/08/17 19:50] – manu | thomasevangelium [2016/02/07 09:22] (aktuell) – manu | ||
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| + | Das ''' | ||
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| + | Es handelt sich dabei um eine sogenannte pseudepigraphe Schrift aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus. Sie stammt laut Prolog aus der Feder eines Didymos (" | ||
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| + | ==Verfasser, | ||
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| + | ===Verfasser=== | ||
| + | Laut Prolog ist die Sammlung von Didymus Judas Thomas verfasst (wobei Didymus das griechische und Thomas das aramäische Wort für '' | ||
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| + | Die Mehrheit von Autoren datiert es auf 150-180, einzelne Autoren gehen von einer Entstehung im 1. Jahrhundert aus. | ||
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| + | An historischen nachweisbaren Anhaltspunkten für eine Datierung gibt es nur ein griechisches Fragment, das auf ca. 200 datiert wird und eine Erwähnung bei Hippolytus in der 1. Hälfte des 3. Jahrhunderts. | ||
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| + | ===Ort der Entstehung=== | ||
| + | Man nimmt heute allgemein an, dass das Thomasevangelium in Syrien entstanden ist. Eine genauere Bestimmung des Ortes der Entstehung ist nicht möglicht, auch wenn die uns überkommenen Textzeugen aus Ägypten stammen und darüber hinaus einige Parallelen zu dem Ägypterevangelium nachweisbar sind. Diese Parallelen dürfen aber nicht überbewertet werden, da es sich zum Teil wohl um Wandersprüche handelt (z.B. Log. 22 und 37). | ||
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| + | Laut Trobisch erfolgte die Zusammenstellung (Trobisch) im römischen Reich im Raum Ephesus, Smyrna; der Thomastext könnte im syrischen Edessa zu einer Zeit aufgeschrieben worden sein, als diese Stadt außerhalb des römischen Reiches lag (vor 216, wahrscheinlich vor 62 nChr.). | ||
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| + | Die Herkunft des Thomasevangeliums aus Syrien lässt sich aus manchen Indizien erschließen. Zunächst ist auf die Aussage des Prologs zu verweisen, wonach Didymus Judas Thomas der Verfasser oder Redaktor dieses Evangeliums sein soll. Diese auffällige Namensform begegnet uns auch in den Thomasakten und in anderen in Syrien beheimateten Werken. Nicht nur durch diese Namensform, sondern auch durch den Rang, der dem Thomas zugewiesen wird (vgl. Log. 13), wird der syrische Hintergrund dieses Textes deutlich. Weitere Parallelen, die vor allem A. Baker und G. Quispel herausgearbeitet haben, bestätigen das. In Bildern und Gleichnissen, | ||
| + | Diatessaron ist nach Menard und G. Quispel so zu beantworten, | ||
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| + | ==Inhalt== | ||
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| + | Es fehlt jede Bezugnahme auf das Wirken Jesu oder auf seinen Tod und seine Auferstehung. Die hier zusammengestellten einzelnen Worte sind das ' | ||
| + | verbinden manche Sprüche zu kleineren Gruppen. | ||
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| + | Apokalyptische Schilderungen fehlen im Thomasevangelium ebenso wie Menschensohnworte. Jesus ist auch nicht der von den Propheten erwartete Messias (Log. 52). | ||
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| + | ===Textbeispiele=== | ||
| + | Ein bekannter Spruch aus dem Thomasevangelium ist z.B. ''" | ||
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| + | ===Theologie=== | ||
| + | Jesus erscheint als der Lebendige, der Sohn des lebendigen Vaters, der alle irdische Form abgelegt hat. Jesus ist der Offenbarer, der den Jüngern das Geheimnis seiner - und ihrer - Herkunft mitteilt. Er ist derjenige, der den Jüngern dieses Geheimnis erklärt. Nur den Auserwählten ist seine himmlische Gestalt erkennbar. Jesus ist eins mit dem Vater, eins mit dem Lichtreich, aus ihm ist alles hervorgegangen, | ||
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| + | Die Welt wird negativ beurteilt (Log. 55, 56 und 80). Der menschliche Körper ist ein Leichnam. Der Gegensatz von Welt/ | ||
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| + | Der Mensch ist, wenn auch " | ||
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| + | Das ' | ||
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| + | Es lassen sich kaum Spuren einer Gemeinschaftsbildung erkennen, und ekklesiologische Gedanken fehlen völlig. Der Zugang zum ' | ||
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| + | ===Quellen=== | ||
| + | Das Thomasevangelium enthält ohne Zweifel Sammelgut sehr unterschiedlicher Herkunft: neben eigenständigem Material (teils völlig unbekannte Jesusworte, teils bekannte Agrapha) ebenso viel Material aus sämtlichen Schichten von Evangeliums-Traditionen, | ||
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| + | Manche Autoren unterscheiden die Logien auch danach, ob sie in Form und Inhalt synoptischen Charakter haben oder gnostische Sprüche sind und versuchen so, zu einem ursprünglichen Text zu kommen.. | ||
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| + | Man hat sich in der bisherigen Forschung bemüht, sowohl die Abhängigkeit als auch die Unabhängigkeit der Sprüche von den kanonischen Evangelien nachzuweisen. | ||
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| + | Die Mehrheit der Theologen geht davon aus, dass das Thomasevangelium alle vier Evangelien benützt hat, also nach diesen zu datieren ist, da es unwahrscheinlich ist, dass sich alle diese Traditionen unabhängig voneinander aus dem Thomasevangelium bedient haben. | ||
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| + | Diskutiert wird auch eine Abhängigkeit vom Diatessaron, | ||
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| + | Einzelne Autoren sehen das Thomasevangelium als als eine Parallelerscheinung zu Q und legen es in die Frühgeschichte der | ||
| + | Evangelienbildung unabhängig von den kanonischen Evangelien oder der Logienquelle Q. | ||
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| + | Man hat auch auf die Nähe des Textes zum Schriftgebrauch der gnostischen Gruppe der Naassener hingewiesen. Nach Hippolyt harmonisierten diese Gnostiker-Texte die kanonischen Evangelien, wie am Beispiel des Gleichnisses vom Sämann aufzuweisen sei. Ähnliches soll auch für das Thomasevangelium zutreffen (vgl. Log. 19, 39 und 45). | ||
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| + | ==Textgeschichte== | ||
| + | Bis zur Entdeckung der Schriften von Nag Hammadi war außer dem Zitat bei Hippolyt vom Text des Thomasevangeliums nichts bekannt. Mit dem Fund der koptisch-gnostischen Bibliothek liegt nun eine sahidisch abgefasste Sammlung von 114 Logien vor, die in der Subscriptio als " | ||
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| + | In vollständiger Fassung wurde das Thomasevangelium im Winter 1945/46 in koptischer Sprache in Ägypten bei dem Ort Nag Hammadi gefunden. Sie waren in einem großen Tonkrug als Bestandteil von 13 originalen Papyrusbüchern eingehüllt in Ledersäckchen gefunden worden. Die Bücher kamen nach und nach ins Koptische Museum in Kairo. Ein Codex gelangte zunächst in das C.G. Jung-Institut nach Zürich. Dieser befindet sich heute ebenfalls in Kairo. Der koptische Text des Thomasevangeliums ist eine Übersetzung aus dem Griechischen. Das Manuskript wird auf das späte 4. Jahrhundert datiert. | ||
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| + | Der Codex II von Nag Hammadi, in dem das Thomasevangelium überliefert ist, wird auf ca. 400 datiert. Es ist aber nachweisbar, | ||
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| + | Die griechischen Fragmente wurden um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in Oxyrhynchus (Ägypten), durch Grenfell und Hunt gefunden und später anhand des koptischen Texts identifiziert. Sie werden in das 3. Jahrhundert datiert. | ||
| - | Das Thomas Evangelium | + | Bereits 1952 hat H.-Ch. Puech festgestellt, |
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| + | Der koptische Text wird von einigen Autoren als stärker gnostitisierend angesehen. Der erhaltene griechische Text, der aus drei verschiedenen Exemplaren des Evangeliums stammt, dürfte nicht die direkte Vorlage für den Codex II von Nag Hammadi erhaltenen koptischen Text gewesen sein und von daher wird von manchen Autoren angenommen, dass das Thomasevangelium zwischen der griechischen und der koptischen Version eine Entwicklung durchgemacht hat. Das Thomasevangelium wird von daher als eine Spruchsammlung angesehen, die auf eine oder mehrere Vorstufen zurückgeht. | ||
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| + | Der zweite Traktat in Codex II von Nag Hammadi ist nicht identisch mit dem Kindheitsevangelium des Thomas. | ||
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| + | ==Literatur== | ||
| + | *Klaus Berger und Christiane Nord: '' | ||
| + | *Erik van Ruysbeek, Marcel Messing: '' | ||
| + | *Uwe-Karsten Plisch: '' | ||
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| + | ==Weblinks== | ||
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thomasevangelium.1408297840.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
